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Albatros
Ich bin der Albatros, der am Ende der Welt auf dich wartet.
Ich bin die vergessene Seele der toten Seeleute,
die Kap Hoorn ansteuerten von allen Meeren der Erde.
Aber sie sind nicht gestorben im Toben der Wellen.
Denn heute fliegen sie auf meinen Flügeln in die Ewigkeit
mit dem letzten Aufbrausen der antarktischen Winde.
Sara Vial |
Meeresstrand
Ans
Haff nun fliegt die Möwe
Und Dämmerung bricht herein,
über die feuchten Watten
spiegelt der Abendschein.
Graues Geflügel huschet
neben dem Wasser her,
wie Träume liegen die Inseln
im Nebel auf dem Meer.
Ich höre des gärenden Schlammes
geheimnisvollen Ton,
einsames Vogelrufen -
so war es immer schon.
Noch einmal schauerts leise
Und schweiget dann der Wind,
vernehmlich werden die Stimmen,
die über der Tiefe sind.
Theodor Storm
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Romantik
In einem Frühling kam an ein Gestade
Ein fremdes Schiff, das blau war wie das Meer
Mit schlaffen Segeln und geschloßner Lade
Und ohne Pass und mutterseelenleer.
Viel sonnige Tage lag es dort und viele
Sahn es vom Ufer sonnenhell und nah
Bis es so lang lag, dass die blauen Kiele
Kein Mensch mehr drüben schaukeln sah.
Nur nachts zuweilen hörten sehr Berauschte
In seinem Takelwerk fremde Musik
Und dennoch: keiner, der erstaunend lauschte
Und dennoch: keiner, dem der Wind die Segel bauschte
Nahm Müh und Not, dass er das Schiff bestieg.
Es folgte einem fremden Sterne
Zu landen einst an einem Riff -
Denn mit dem Lenz in nebelblauer Ferne
Verschwand das blaue geisterhafte Schiff.
Bertold Brecht
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Segelschiffe
Sie haben das mächtige Meer unterm Bauch
Und über sich Wolken und Sterne.
Sie lassen sich fahren vom himmlischen Hauch
Mit Herrenblick in die Ferne.
Sie schaukeln kokett in des Schicksals Hand
Wie trunkene Schmetterlinge.
Aber sie tragen von Land zu Land
Fürsorglich wertvolle Dinge.
Wie das im Winde liegt und sich wiegt,
Tauwebüberspannt durch die Wogen,
Das ist eine Kunst, die friedlich siegt,
Und ihr Fleiß ist nicht verlogen.
Es rauscht die Freiheit. Es riecht wie Welt. -
Natur gewordene Planken
Sind Segelschiffe. - Ihr Anblick erhellt
Und weitet unsre Gedanken.
Joachim Ringelnatz
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Hinaus an den Strand will ich gehen,
Wenn keiner wacht.
Das wilde Meer zu sehen
Und die heilige Nacht.
Und wieder fasst mich das alte Weh -
Am Strand tanzt ein Boot.
Das lockt mich hinaus in die tosende See,
Fort, fort für immer von Hass und Not,
In die See, in die Nacht, in das Glück, in den Tod.
Ich löse das Tau
Und die Freiheit lacht
Hinter Nebel und Grau.
Und ich fahre jubelnd hinaus in die Nacht,
Das Elend fliehend zu Tod und Glück.
Joachim Ringelnatz
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Alles schien mir vollkommen.
Es gab keine Zeit mehr, es gab nur mich,
der ich in einem langsamen Schiff
dahintrieb, gewillt, jeden Menschen, der mir
begegnete, kennenzulernen, alles,
was sich mir bot, in mich aufzunehmen.
Aus dem Meer tauchten, als hätte
Homer es persönlich für mich angeordnet,
in dem schwindenden Licht
die Inseln auf, einsam, verlassen,
geheimnisvoll. Mehr konnte
ich nicht verlangen, und mehr wünschte
ich mir nicht. Ich hatte alles,
was sich ein Mensch ersehnen kann,
und ich wusste es.
Ich wusste auch, dass ich es vielleicht
nie wieder haben würde.
Henry Miller
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Und
ich warte auf den Wind
Warten, immer warten,
so viel Zeit ist schon vertan,
hab ein Boot und hab ein Segel,
und ich habe einen Plan.
Sehnsucht, ich hab Sehnsucht,
mein Zuhause ist der Strand,
und durch meine Finger rieselt
pausenlos der feine Sand.
Stunde um Stunde,
die nutzlos verrinnt,
und ich warte auf den Wind.
Treiben, einfach treiben,
wie das Schicksal es bestimmt,
frei auf allen sieben Meeren,
Traum, der nie ein Ende nimmt.
Warten, immer warten,
welch ein Spiel mit der Geduld,
ich verliere durch mein Zögern,
es ist alles meine Schuld.
Stunde um Stunde,
die nutzlos verrinnt,
und ich warte auf den Wind.
Segel, du mein Segel,
hängst so schlaff herab vom Mast,
denn aus Stunden wurden Jahre,
deine Farben sind verblasst.
Stunde um Stunde,
die nutzlos verrinnt,
und ich warte auf den Wind.
Siegfried Schenk |
Die See
Wenn mit ihren Atemzügen
sich die Dünung senkt und hebt,
und die Winde sie durchpflügen,
dann verspürst du, dass sie lebt.
Wenn die Stürme Shantys geigen ,
Rasmus ausgelassen tollt
Und die Wellen Zähne zeigen,
dann erkennst du, dass sie grollt.
Wenn sie wilde Böen hetzen,
leewärts jagend um die Kimm,
taumelt unter Wolkenfetzen,
dann erlebst du ihren Grimm.
Bist du einst an Land gegangen ,
auf der Suche nach dem Glück,
zieht ein heimliches Verlangen,
dich stets zu ihr zurück.
Bernd Hardy
Meeresleuchten
Aus des Meeres dunklen Tiefen
Stieg die Venus still empor
Als die Nachtigallen riefen
In dem Hain, den sie erkor.
Und zum Spiegel, voll Verlangen
Glätteten die Wogen sich
Um ihr Bild noch aufzufangen
Da sie selbst auf ewig wich.
Lächelnd gönnte sie dem feuchten
Element den letzten Blick
Davon blieb dem Meer sein Leuchten
Bis auf diesen Tag zurück
Friedrich
Hebbel
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